Jurek Becker – Jakob der Lügner – Inhalt, Figuren, Erzählsituation und Kontext


Inhalt
Ein anonymer Ich-Erzähler erzählt vom Leben des polnischen Juden Jakob Heym im Warschauer Ghetto wohnte. Dieser wird, obwohl es noch nicht 20 Uhr ist, und die Ausgangssperre noch nicht begonnen hat, von einem deutschen Wachposten mutwillig auf das Wachrevier im Ghetto geschickt. Hier hört er zufällig eine Rundfunknachricht vom Vorrücken der Roten Armee. Unverhofft wird Jakob wieder aus dem Revier entlassen und findet neuen Lebensmut.

Am nächsten Tag will Mischa mit dem er oft zusammenarbeitet, bei den Deutschen Kartoffeln stehlen. Da die Chancen, dass er dabei nicht erwischt wird, praktisch bei null stehen, und er in diesem Fall erschossen würde, versucht Jakob ihn davon abzuhalten, indem er ihm vom Vorrücken der Russen erzählt. Mischa schenkt Jakob aber keinen Glauben und ist entschlossen, seinen Plan in die Tat umzusetzen. Jakob kann Mischa nicht erzählen, dass er die Nachricht im Revier gehört hat, da Mischa und die anderen ihn möglicherweise verdächtigen könnten ein Spitzel zu sein, weil bisher noch kein Jude das Revier lebend verlassen hat. So lügt er ihm vor, er hätte ein Radio. Mischa glaubt ihm und sieht vom Stehlen der Kartoffeln ab.


Der Besitz eines Radios im Ghetto wird mit dem Tod bestraft, deshalb will Jakob Mischa gleich am nächsten Tag von seiner Lüge erzählen, doch die guten Nachrichten haben sich bereits herum gesprochen. Täglich trägt Jakob trägt nun durch die Weitergabe erfundener Rundfunknachrichten vom Vorrücken der Roten Armee zur Stärkung des Widerstandswillens gegen die Nazis bei. Doch es wird immer schwerer für Jakob, die Lüge am Leben zu erhalten, denn er muss immer neue Informationen über den Vorstoß der Russen erfinden, um den anderen nicht die lebensnotwendige Hoffnung zu nehmen. Denn durch die von Jakob gelieferten Neuigkeiten sind die Ghettobewohner wie ausgewechselt. Außerdem fangen sie an, beflügelt durch die Hoffnung auf eine Veränderung der Verhältnisse, an die Zukunft zu denken; „Alte Schulden beginnen eine Rolle zu spielen“, „Töchter verwandeln sich in Bräute“ und „die Selbstmordziffern sinken auf Null.

Die Lage spitzt sich zu. Die Bewohner einiger Straßen im Ghetto bereits in Vernichtungslager deportiert werden, das tragische Ende deutet sich an. Doch bei dem hat es der Erzähler nicht belassen und entschied sich für zwei Fassungen des Ausgangs der Geschichte.


Im „realen“ Ende erhängt Kowalski sich und Jakob wird später zusammen mit anderen Juden deportiert. Im Zug erzählt er dem Erzähler seine Erlebnisse, welcher nach dem Krieg einige Nachforschungen anstellt und dann die Geschichte erzählt.

Im Gegensatz dazu wird Jakob im „fiktiven“ Ende beim Fluchtversuch erschossen. Im selben Moment hört man die Geschütze der Roten Armee aufdonnern. Das Ghetto wurde also befreit.

Inhaltliche und formale Besonderheiten:
– zwei Versionen des Endes
– individuelle Erzählsituation
– Erzähler schweift oft ab (spricht dann von Bäumen) Hintergrund: Erzähler war zur gleichen Zeit im Ghetto wie die Hauptfigur, die Frau des Erzählers wurde unter einem Baum erschossen, die Unterbrechungen der Handlung wirken irritierend.
Erzähler gibt zu, dass er sich beim Erzählen einige Freiheiten nimmt, deshalb weiß man nie, was nun die eigentliche Geschichte war und was sich der Erzähler, ausgedacht hat.


Hauptfigur und weitere Figuren
Jakob Heym ist der äußerst unauffällige, fürsorgliche, anfangs gewissenhafte und Hoffnung verbreitende Protagonist der Handlung. Den Beinamen der Lügner erhält er, weil er sich gezwungen sieht, die einmal begonnene Nachrichtenverbreitung, und damit die Verbreitung von Hoffnung, immer weiter fortzusetzen, obwohl er keine weiteren neuen Nachrichten hat.

Weitere Figuren sind Jakobs Kollege Kowalski, der sich erhängt, als Jakob ihm gesteht, dass die Geschichte mit dem Radio nur erfunden ist. Lina, ein Waisenkind, dessen Eltern von der Gestapo abgeholt wurden, während sie nicht da war. Jakob nimmt sich ihrer an, kümmert sich um sie und beschließt, sie nach der Zeit im Ghetto zu adoptieren. Sie ist ein gewieftes, pfiffiges, neugieriges, skeptisches, acht Jahre altes Mädchen. Kirschbaum ist Professor und Herzspezialist, der als er aufgefordert wird, den schwer erkrankten deutschen Oberbefehlshaber ärztlich zu behandeln, mit zwei Pillen „gegen Sodbrennen“ Selbstmord begeht. Mischa, ehemaliger Amateurboxer, Jakobs Arbeitskollege ist der Auslöser der Geschichte, da Jakob mit dem Lügen beginnt, um ihn vom Stehlen abzuhalten. Rosa Frankfurter, Mischas Freundin, und ihre Eltern.


Erzählsituation
Ein namenloser Ich-Erzähler, der mit Jakob Heym zugleich im Ghetto lebte, erzählt als einer der wenigen Überlebenden aus dem Ghetto einer nicht näher bezeichneten polnischen Stadt. Er schildert die Gegebenheiten aus eigener Erinnerung oder Berichten anderer Beteiligter, weil er nicht mit dem Vorwurf leben kann, dass die Ghettobewohner gegen ihre Folterer keinen Widerstand geleistet hätten.

Personen, manche Situationen und Orte werden immer wieder aus der Ich-Perspektive dargestellt. Der Erzähler schildert dabei auch eigene Empfindungen und füllt die Lücken der Geschichte mit seiner objektiven Fantasie auf. Auch stellt er dem Zuhörer/Leser zwei verschiedene Enden zur Verfügung, weil ihm die Wahrheit nicht gefällt.

Historischer Kontext
Deutschland im Nationalsozialismus, genauer gesagt, das Leben der Juden im Ghetto (Jurek Beckers Vater lieferte ihm durch Beschreibungen seiner eigenen Zeit im Ghetto die Grundlage für das Werk).

Kurzbiographie
Jurek Becker wurde 1937 in einer jüdischen Familie in Lodz geboren.
1939 erfolgte die Umsiedlung der Familie ins Ghetto Lodz.
Jurek Becker überlebte die KZ’s Ravensbrück und Sachsenhausen.
Nach der Befreiung 1945 fand ihn sein Vater wieder, 1954 zogen sie nach Ostberlin.
Jurek Becker wurde nach dem Abitur und einem begonnenen Philosophiestudium fest angestellter Drehbuchautor bei der DEFA.
1968 wurde sein Drehbuch Jakob der Lügner abgelehnt, deshalb arbeitete er es zu seinem ersten Roman um, der 1969 erschien.
1977 verließ Becker die DDR aus politischen Gründen, er arbeitete in der Folge als Gastprofessor und schrieb mehrere Romane und Erzählungen.
Jurek Becker starb 1997 an Krebs.

6 Gedanken zu „Jurek Becker – Jakob der Lügner – Inhalt, Figuren, Erzählsituation und Kontext“

  1. Im Buch geht es nicht um das Ghetto in Warschau, das Ghetto in „Jakob der Lügner“ ist fiktiv, worauf unter anderem die naheliegenden Städte hinweisen, die ebenfalls frei erfunden sind. Becker benutzte seine eigenen Erfahrungen und die Erzählungen seines Vaters für den Roman. Sonst finde ich diese Zusammenfassung sehr gut.

  2. Das Buch ist sehr spannend und erzählt keine wahre Geschichte. Es ist total unsinnig und nutzlos. Kein normaler Mensch heißt Jakob und erzählt Lügen über ein imaginäres Radio, welches man selbst seiner Adoptivtocher nur vorgaukelt. djahg klaudhg ladg. Der Anfang ist jorklig, denn der Erzähler erzählt über Nudelbäume.

    Mfg
    Kötteljorkler

  3. A lles beginnt mit einem Setz.
    Nicht so dieses Buch.
    Uunsereins liest gerne anderes.
    Sex Drugs and Rock’n’Roll.
    Nanocomputer sind der Hit.
    Ululululululu
    Doktor
    Leseratten hassen dieses Buch
    Essen ist lecker, außer Gemüse
    Rot ist eine Farbe

  4. ich geh kurz meine whatsappbilder durch, es sind nicht 1200. und ich hab sie nicht schon zweimal gelöscht als sie 1000 waren. SO EIN SPAST! ich geh sie immernoch durch. lösch sie mal!

  5. Hallo

    Die Zusammenfassung ist gut geschildert, ich würde aber noch erwähnen,wie die Beziehung zwischen Lina und Jakob war, trotz allen Lügen. Einige Sätze über Jakobs Leben vor dem Ghetto wären auch erwähnenswert, dass er eine Diele besass und „bekannt“ für seine Kartoffelpuffer war.
    Man sollte natürlich auch wissen, dass es auch Juden gab, welche gegen das „erfundene Radio“ waren, da Sie die Strafen fürchtetn und durch erfahren wir dass es im Ghetto tatsächlich ein Radio hatte unter den Juden.

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