Simon Beckett “Voyeur”

Diffizil, feinsinnig und beinahe plastisch in seinen Beschreibungen, beinahe so wie man ihn aus seinen späteren Werken kennt, lässt Simon Beckett in seinem Erstlingswerk einen tiefen Blick zu in die Abgründe des Menschseins. Einen Blick auf das, was der Mensch zu tun im Stande ist, wenn Besessenheit sein Motor ist. Eine besondere Intensität der Beschreibung entsteht durch die Perspektive des Ich-Erzählens. Hautnah erlebt der Leser die Gedanken, Gefühle und Eindrücke der Hauptfigur Donald Ramsey mit.

Leidenschaft, ja Obsession ist es, die den Londoner Kunsthändler antreibt. Doch nicht im wahren Leben sondern nur in seiner Phantasie lebt er sie aus. Seine ganz private Sammlung erotischer Kunstwerke ist das einzige Ziel seiner Leidenschaft. Bis er eines Tages Anna als Assistentin für seine Galerie einstellt. Vollkommen zufällig beobachtet er sie eines Abends als sie sich umzieht.

Er, den Frauen bisher nicht zu reizen vermochten, verfällt so beinahe nebenbei einer Leidenschaft zu der jungen Frau. Einer Leidenschaft, die sich zur Besessenheit steigert als er erfährt, dass Anna plant mit ihrem Freund nach Amerika zu gehen. Um das zu verhindern, engagiert er den draufgängerischen Zeppo, der Anna verführen soll.

Diese Obsession steigert sich bis zur Maßlosigkeit. Und schreckt, als es schließlich zur Liebesnacht zwischen Anna und Zeppo kommt, vor Beobachtung nicht zurück. Doch der Weg zu diesem von Ramsey lang ersehnten und doch so enttäuschenden Moment ist weit. Und was wäre ein Thriller von Beckett, wenn es auf diesem langen Weg nicht auch noch einen ausgeklügelten Mord zu verzeichnen gäbe.

Empfehlung: Lesenswert, wenn auch erst in Ansätzen so raffiniert wie die späteren Thriller des Autors.

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