Legende – Begriffs- und Sachgeschichte

Bei der Legende handelt es sich um eine hochkomplexe Literaturgattung meist kurzer, erbaulicher Erzählungen von heiligen Personen, Dingen oder Ereignissen.

Der Begriff stammt vom lateinischen Gerundium legenda ‚Texte, die man vorlesen soll‘, und bezog sich zunächst einmal auf Stücke für die liturgische Lesung. Im 9. Jahrhundert ist er als lateinisches Substantiv belegt; als Bezeichnung für einzelne Heiligenleben und später auch für deren Sammlungen, wie zum Beispiel die legenda aurea.

Seit dem 15. Jahrhundert auch allgemein für Erzählung oder Bericht verwendet, erfährt die Bezeichnung durch Luther („Lügende“) eine Abwertung, bis 1797 Herder die Grundlage zur Begriffsbildung formuliert. Im 19. Jahrhundert wird der Begriff durch terminologische Reflexion ausdifferenziert: als hagiographische Erzählung, als historisch unfundierte Erzählung, als geistliche Sage oder Heldendichtung und als mündliche Volkserzählung. Durch eine moderne oder teilweise auch sorglose Inanspruchnahme wird der Begriff noch weiter gedehnt.
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Deutsche Sprachgesellschaften

Der Begriff Sprachgesellschaften bezeichnet seit dem 19. Jhd. die im 17. Jhd. entstandenen deutschen Gesellschaften, die sich der deutschen Sprache widmeten. Mitglieder dieser gelehrten Vereinigungen stammen aus Fürstentum, Adel und gelehrtem Bürgertum. Ein wichtiger Teil der Arbeit dieser Gesellschaften war die „Spracharbeit“, d.h. die Pflege, Bewahrung und Weiterentwicklung der deutschen Sprache.

Die Sprachgesellschaften wurden zwiespältig aufgenommen: einerseits wurde die Pflege der Sprache allgemein anerkannt, andererseits kam es gerade auf diesem Gebiet oft auch zu Übertreibung (das Nonnenkloster sollte beispielsweise in Jungfernzwinger umbenannt werden), die den Vereinigungen Spott und Kritik einbrachte.
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Artikel

Der Artikel ist ein Sachtext, dessen Hauptzweck rasche und gut verständliche Informationsweitergabe ist. Er enthält Antworten auf die „W“-Fragen, ohne die Situation oder den Vorgang zu bewerten.

Daher sollte keine argumentative sondern eine beschreibende Schreibweise verwenden werden. Im Mittelpunkt stehen der Tathergang bzw. das Thema und die damit zusammenhängenden Fakten, die sachlich, verständlich und ohne eigene Meinung präsentiert werden. Dabei sollten unter anderem wenig bekannte Fachausdrücke vermieden werden.

Der Titel eines Artikels muss ansprechend sein und Neugier erwecken, damit er potentielle Leser „fängt“ und zum Lesen anregt. Daher kann bisweilen an dieser Stelle auch eine provokante Formulierung sinnvoll sein. Von größter Bedeutung beim Verfassen eines Artikels ist eine klare, übersichtliche Struktur. Das Thema muss von der ersten Zeile an klar erkennbar sein. Von Weitschweifigkeit ist abzuraten.

Kommentar

Der Kommentar ist eine Form der Meinungsäußerung, die Stellung zu einem Thema nimmt und bewertet. Beim Verfassen eines Kommentares sollten folgende Kriterien beachtet werden:

  • das Thema zu dem Stellung bezogen wird muss deutlich heraus kommen
  • konkrete Argumente formulieren, die eigene Meinung klar und deutlich zum Ausdruck bringen
  • die eigene Meinung nicht als allgemeingültig darstellen, sondern zur Diskussion stellen
  • der Titel sollte dazu anregen, den Kommentar zu lesen
  • als Einstieg eine eigene These formulieren, im Mittelteil argumentieren und im Schluss zusammenfassen und die oben formulierte These be- oder widerlegen
  • kurze Sätze in einem eher sachlichen Stil wählen
  • eigenen Formulierungen den Vorzug geben, auf Zitate besser verzichten
  • Textanalyse ausführlich – Sachtexte

    Die Analyse von Sachtexten (auch Gebrauchstexte genannt) stellt besondere Anforderungen an den Analysierenden. Eine Textanalyse ist in diesem Fall stark von der Intention des Textes bestimmt. Während sich Auffälligkeiten hinsichtlich Struktur und Wortwahl in literarischen Texten meist schneller und leichter erschließen lassen, ist bei Gebrauchstexten schon zu Beginn ein tieferer Blick nötig.

    Grundlegend ist deshalb die Frage nach der Textsorte. Je nach dem, ob es sich bei dem Text um eine Predigt, Polemik, eine wissenschaftliche Studie, einen Werbetext, eine Gebrauchsanweisung oder eine Pressemeldung handelt, verfolgt der Verfasser ein anderes Ziel und schreibt für einen anderen Leserkreis, was sich wiederum deutlich auf Wortwahl, Stil, Struktur und Argumentationsweise des Textes auswirkt. Das zu wissen, ist für das Verständnis des Textes von übergeordneter Bedeutung. Häufig kann eine gut ausgeführte Analyse im Text verborgene Informationen hervorbringen und es zeigt sich, dass viele Texte eigentlich Mischformen verschiedener Textsorten sind.
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    Textanalyse ausführlich

    Mäßig beliebt, aber für das Textverständnis von großer Bedeutung: die Textanalyse. Zu einer gelungenen Textanalyse gehören – in Abhängigkeit von der Gattung des zu analysierenden Textes – verschiedene Bestandteile.

    Man unterscheidet dabei im Wesentlichen zwischen der Analyse von literarischen Texten und der Sachtextanalyse, wobei bei den literarischen Texten in einzelnen Bereichen nochmals zwischen Gedichtanalyse (Gedichtvergleich), der Romananalyse, der Analyse von Kurzgeschichten und der von Dramenszenen unterschieden werden muss.

    Meist wird heute in der Aufgabenstellung ganz konkret die Beantwortung einiger Fragen gefordert und so ein Schwerpunkt für die Analyse vorgegeben. Ist das nicht der Fall, kann man wie folgt vorgehen:

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    Das Drama im Naturalismus: Familie Selicke

    „Familie Selicke“ gilt als das erste naturalistische Drama überhaupt. Verfasst von Arno Holz und Johannes Schlaf beinhaltet es alle Merkmale naturalistischer Literatur, die der Theoretiker Arno Holz (Kunst=Natur-x) als kennzeichnend für diese literarische Epoche ansah.

    Es verdeutlicht auf vollkommene Art die Absicht des Naturalismus: die Erschaffung eines neuen Dramas mit dem Ziel, die Wirklichkeit, den Alltag des Proletariates und des Kleinbürgers darzustellen. Die „Helden“ des naturalistischen Dramas stammen also aus der Unterschicht und werden als sogenannte passive Helden bezeichnet.

    Neu am naturalistischen Drama im Allgemeinen sind Sprache und Inhalte. Die Themen sind neben sozialen Auseinandersetzungen vor allem Leid, Krankheit, Elend und der geringe Handlungsspielraum der Menschen.

    Als formale Merkmale sind vor allem:

    • das stumme Spiel (wird durch lange Regieanweisungen vermittelt)
    • die Analyse der im Vordergrund stehenden Charaktere
    • die Nebensächlichkeit der Handlung
    • die Umgangssprache
    • und der Sekundenstil

    zu nennen.

    Die ausführlichen Regieanweisungen im Drama „Familie Selicke“ erläutern das stumme Spiel, liefern Hintergrundinformationen und vermitteln dem Leser den Eindruck, wie es in der Familie wirklich zugeht.

    Dabei werden die massiven Probleme der Familie beispielhaft für die Gesellschaftsschicht deutlich:

    • Alkoholmissbrauch durch den Vater
    • Angst der Mutter und der 4 Kinder (im Alter zwischen 8 und 22 Jahren) vor Gewalt
    • Angst vor dem Ungewissen (Wann kommt der Vater? Wie wird er sich verhalten?)
    • Schlechte finanzielle Bedingungen
    • Jüngste Tochter ist schwer krank
    • Zukunftsängste
    • Verzweiflung und Todessehnsucht

    Sekundenstil

    Der Sekundstil ist eine der Darstellungsmethoden, in der Literatur des Naturalismus.

    Sekundenstil bedeutet, dass die erzählte Zeit und die Erzählzeit (d.h. die Zeit, die es braucht um das Geschehen zu erzählen) gleich sind. Die Vorgänge werden in ihrem Ablauf also sekundenweise dargestellt. Auch was die Sinne wahrnehmen wird aufgezeichnet. So soll die gesamte Wirklichkeit sekundengetreu abgebildet werden.

    Eines der herausragenden Beispiele für die Verwendung des Sekundenstils ist das naturalistische Drama „Papa Hamlet“ von Arno Holz und Johannes Schlaf. Auch im Drama „Familie Selicke„, das als das erste naturalistische Drama gilt, in dem alle Merkmale naturalistischer Literatur deutlich sind, kommt dem Sekundenstil eine wichtige Bedeutung zu.

    Textanalyse kurz – Aufbau

    Eine Textanalyse dient dem tieferen Verständnis eines Textes unabhängig von dessen Textsorte. Dabei wird neben einer Analyse des Textaufbaus auch eine Inhaltsanalyse, eine Analyse der Sprache und der Argumentationsstruktur vorgenommen.

    Aufbau einer schriftlichen Textanalyse:

    Einleitung

    • Informationen zum Text (Textsorte, Entstehungszeitpunkt, Entstehungshintergrund) und zum Autor


    Hauptteil (Analyse von Aufbau, Inhalt, Struktur und Sprache)

    • Kurze Inhaltsangabe in eigenen Worten
    • Anmerkungen zum Textaufbau
    • Anmerkungen zur Argumentationsstruktur des Textes
    • Nennung und Erklärung der sprachlichen Besonderheiten
    • Aussagewert des Textes
    • Zusammenhang herstellen zwischen Aufbau, Struktur, Sprache und Aussagewert
    • Sachliche Wertung des Textes

    Schluss

    • Zusammenfassung
    • Beurteilung des Wirkungsgrades und der Wirkungstiefe

    Vorgehensweise:

    • Rahmeninformationen durchgehen
    • Erstes Lesen
    • Ersten Eindruck notieren
    • Zweites Lesen
    • Untergliederung des Textes in übersichtliche Abschnitte
    • Überschriften für die einzelnen Abschnitte finden
    • Ersten Eindruck überprüfen
    • Inhalt kurz in eigenen Worten zusammenfassen
    • Aufbau des Textes analysieren
    • Argumentationsstruktur des Textes durchgehen
    • Den Inhalt des Textes mit Hilfe der W-Fragen im Hinblick auf die Fragestellung betrachten (Inhaltsanalyse)
    • Sprache des Textes – wenn möglich unter Berücksichtigung des Entstehungshintergrundes – analysieren
    • Aufbau, Struktur, Inhalt und Sprache zueinander in Beziehung setzen
    • Text in Folge der Analyse möglichst sachlich beurteilen (Erreicht er seine Zielgruppe? Warum/Warum nicht?)